Deutsche Städte werben um Familien - Reihenhaussiedlungen und neue Quartiere sollen Abwanderung stoppen - Erstmals mehr Häuser als Wohnungen genehmigt
Für immer mehr Menschen kann sich nach Überzeugung der Allianz Dresdner Bauspar AG der Traum erfüllen, im eigenen Haus und trotzdem stadtnah zu wohnen. Seit 2002 werden in den westdeutschen Ballungsräumen überwiegend mehr Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser als für Geschosswohnungen erteilt. Dieser Trend setzte sich in diesem Jahr fort: Laut den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden von Januar bis Juni 26.181 stadtnahe Ein- und Zweifamilienhäuser genehmigt, fast 11 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In den so genannten Ballungskernen, also sehr zentralen Lagen, lag das Plus sogar bei 13 Prozent. Die Zahl der Baugenehmigungen für Gebäude mit drei und mehr Wohnungen stieg hingegen nur um knapp 2 Prozent auf 17.905.
Das alte Dilemma verliert an Schrecken: Entweder in der Stadt zur Miete wohnen und in 20 Minuten am Arbeitsplatz sein oder das halbwegs bezahlbare Häuschen im Grünen beziehen, um sich allmorgendlich in den langen Verkehrsstau Richtung City einzureihen. "Mittlerweile lassen sich Deutschlands Städte immer mehr einfallen, um junge Familien daran zu hindern, ins Umland abzuwandern", erläuterte Dr. Gerhard Creutz, Vorstandssprecher der Allianz Dresdner Bauspar AG, im Medien-Service 10/2003 der Dresdner Bank. Egal ob Frankfurt oder Stuttgart, Essen oder Nürnberg: Überall schießen in jüngster Zeit Reihenhaussiedlungen wie Pilze aus dem Boden. Manche Kommune erschließt sogar völlig neue Quartiere inklusive Autobahn- und ÖPNV-Anschluss. Andernorts werden große innerstädtische Liegenschaften der abgezogenen Nato-Armeen für private Nutzer umgebaut. Und so manche vom Leerstand geplagte ostdeutsche Kommune rückt dem Plattenbau mit der Abrissbirne zu Leibe, um attraktive Flächen für Einfamilienhäuser frei zu bekommen.
Auf diese Weise versuchen die Städte, gleich mehreren Problemen Herr zu werden: Seit den 80-er Jahren verlieren sie im Durchschnitt an Einwohnern, was sich durch einen langfristig generell erwarteten Bevölkerungsrückgang in Deutschland noch verschärfen könnte. Auch die Bevölkerungsstruktur wird vielerorts immer problematischer, da junge Familien und Besserverdienende in die grünen "Speckgürtel" abwandern und der Anteil sozial schwacher Gruppen zunimmt. Außerdem überlastet der wachsende Pendlerstrom die Verkerswege, für neue Straßen und Schienen fehlt den Kommunen aber oft das Geld.
"Umso wichtiger ist es, dass Wohneigentum in den Städten bezahlbar ist", betonte Creutz. "Nur so können wir unseren Rückstand bei der Wohneigentumsquote aufholen: Hierzulande besitzen nur rund 40 Prozent der Menschen eigene vier Wände und kaufen im Durchschnitt mit 38 Jahren ihr erstes Wohneigentum. Im übrigen Westeuropa und Nordamerika sind rund 65 Prozent Haus- oder Wohnungsbesitzer und nennen schon mit durchschnittlich 30 eine Immobilie ihr eigen."
Mit ihren Angeboten für zentrumsnahes Wohneigentum treffen die Städte vor allem bei der jungen Generation im Alter bis zu 34 Jahren einen Nerv. Wollten bis zur Jahrtausendwende immer weniger junge Leute etwas von Heirat und Familiengründung wissen (1985: 58% - 1994: 53% - 1999: 52%), stehen nach einer neuen Repräsentativumfrage des B.A.T Freizeit-Forschungsinstituts derzeit nicht mehr Sport, Hobby und Urlaubsreisen im Mittelpunkt, sondern Ehe, Kinder und Familie (56%). "Da aber die jüngere Generation häusliche Geborgenheit und Freizeitspaß gleichermaßen will, wird die Nachfrage nach citynahem Wohneigentum weiter steigen", prognostizierte der Allianz Dresdner Bausparvorstand.