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Der ideale Grundriss ?!


Der Bau eines Hauses ist für die Mehrheit der privaten Bauherren der Traum, den sie sich nur einmal im Leben verwirklichen können. Umso wichtiger ist es da, dass das Eigenheim diesem Traum möglichst nahe kommt und den Bewohnern eine optimale Wohnumgebung bietet. Meist sind am Beginn nur vage Vorstellungen von Raumbedarf und Außenansicht vorhanden, die nun zunächst in einen konkreten Plan einfließen müssen.
Nichts gegen eigene Versuche am heimischen PC mit Hilfsprogrammen das Haus selbst ein wenig vorzuplanen. Doch ein durchdachtes Grundrisskonzept bedeutet mehr als das Aneinanderfügen von Räumen. Das zukünftige Haus sollte nicht nur für die aktuelle Lebenssituation der Bewohner perfekt zugeschnitten sein, sondern sich bei verändernden Wohnwünschen oder Familiensituationen den neuen Begebenheiten flexibel anpassen. Sobald ein Grundstück gefunden, der Finanzierungsrahmen in etwa abgesteckt und die Entscheidung zum individuellen Eigenheimbau steht, sollten angehende Eigenheimbesitzer einen Architekten zu Rate ziehen. Dessen Aufgabe geht weit über die reine architektonische Planung des Objektes hinaus. Gute Architekten verstehen sich als unabhängige Sachverwalter des Bauherrn für die Realisierung der Baumaßnahme. Sie unterstützen bei der Vergabe der Aufträge, koordinieren und kontrollieren die Ausführung der Bauarbeiten und sorgen dafür, dass das Bauwerk mängelfrei zu den ermittelten Kosten und zum festgelegten Termin übergeben wird. Der Architekt kann dem Bauherrn zwar nicht alle, aber viele Sorgen abnehmen. Bei der Auswahl des Architektenbüros helfen die Architektenkammern. Auch bereits fertige Objekte der Architekten geben einen Einblick, wie es dem Profi gelungen ist, die Balance zwischen Bauherrenwünschen und dem dazugehörigen Geldbeutel zu schaffen.
   
Damit der Grundriss des Hauses den Bedürfnissen seiner späteren Bewohner entspricht, ist es wichtig, dass Planer und Bauherr vorab einige Fragen klären:

  • Wo wird gebaut (Grundstück)?
  • Welche finanziellen Mittel stehen zur Verfügung?
  • Wer wird das Haus bewohnen (jetzt / in 10 / 20 / 30 Jahren)?
  • Welche Räume werden für welche Zwecke benötigt?
  • Welche Baustoffe sollen vom Bauherr verwendet werden / welche nicht?
  • Welche Energieformen sollen genutzt werden?

Sinnvoll ist die Anlage eines so genannten Raumbuches, das die Baufamilie gemeinsam anlegt. Hierin bestimmen die zukünftigen Bewohner welchen Raumbedarf für die Familien- oder Kommunikationsbereiche - wie Wohnzimmer, Esszimmer, Terrasse, Garten - benötigt werden und wie sich die Familienmitglieder ihre Individualbereiche (Kinderzimmer, Schlafzimmer, Hobbyraum) vorstellen. Schließlich gilt es noch notwendige Nebenräume (Toiletten, Hauswirtschaftsraum) aufzulisten. Anhand eines solchen Raumbuches lassen sich dann die Vorlieben der Bewohner diskutieren. Wollen wir einen repräsentativen Eingangsbereich oder sollen Gäste direkt ins Hausleben hineinkommen? Brauchen wir eine klare Trennung von privaten Rückzugsinseln oder bevorzugen wir offene Räume? Und natürlich der Blick in die Zukunft. Wie wird sich die Familie verändern, gibt es Zuwachs, kommen die Großeltern, wandern die Kinder ab usw.? Das Raumbuch ist der Leitfaden anhand dessen der Architekt seine Planungen orientieren kann.
   
Heute wendet man sich verstärkt wieder nutzungsneutralen Raumkonzepten zu. Bereits in den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts folgten Planer der Idee, möglichst gleichrangige Räume zu planen. Häuser mit solchen Konzepten haben den Vorteil, dass sie über Generationen hinweg für verändernde Wohnansprüche ohne große Umbauten genutzt werden können. Die Funktionen der Räume sind untereinander austauschbar. Ob Kinderzimmer, Arbeitszimmer, zweites Wohnzimmer - der Schnitt der Räume lässt alles zu. Zwar wird etwas mehr Fläche benötigt als bei starren Raumkonzepten, die Häuser jedoch sind sehr beliebt, was sich nicht zuletzt in einem höheren Wiederverkaufswert niederschlägt. Grundsätzlich ist jedes vom Architekten geplante, freistehende Einfamilienhaus ein Unikat. Die Grundrissvarianten lassen sich nur schwer typisieren. Dennoch bei allen Mischformen und Überschneidungen gibt es einige Grundlinien. In der klassischen Variante fungiert der Flur als Achse an dem zu beiden Seiten Räume abgehen. Jeder Raum verfügt über eine Tür als Abschluss, was ein hohes Maß an Privatheit zulässt. Konträr dazu der Einraumgrundriss, in dem Wohnen und Leben Offenheit bedeutet. Lediglich Garderobe und Gäste-WC sind geschlossene Räume. Ein solches Konzept bietet den Bewohnern ein Höchstmaß an Flexibilität, verlangt aber auch ein Höchstmaß an Toleranz im Zusammenleben. Letztlich ist es Aufgabe des Architekten eine Grundrisslösung zu entwickeln, die den Lebensvorstellungen der Bewohner möglichst gut entspricht. Denn den "idealen Grundriss" gibt es immer nur für ein bestimmtes Objekt. Sehr treffend formulierte das der Architekt und Pritzkerpreisträger Sverre Fehn. Für ihn ist das Ideal des Einfamilienhauses ein "Selbstportrait" der Bauherren.

© new econ ag
Fotos: Lux / Honka

   
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