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Dekoration


Kontraste
Alles andere als eintönig wirken die "Nicht-Farben" Schwarz und Weiß. Und wenn sich Designer immer wieder von ihnen inspirieren lassen, sind die Ergebnisse schon auf Grund der Kontraste klar, intensiv und spannend.
Weiß ist die hellste aller Farben und Schwarz die dunkelste. Obwohl sie im eigentlichen Sinn gar keine Einzelfarben sind, sondern jeweils eine Komprimierung aller bekannten Farben. Dass ein Stück Kohle für uns schwarz aussieht und frisch gefallener Schnee weiß, hängt mit der Struktur des menschlichen Auges zusammen, bei dem neben den Zapfen ein zusammenhängendes Netz von Stäbchen für das Schwarz-Weiß-Empfinden zuständig ist. Schwarz und Weiß stehen sinnbildlich für viele Dinge, wenn es um das Aufzeigen von Gegensätzen geht: Tag und Nacht, Licht und Schatten, Yin und Yang. Schwarz resorbiert das Licht, während es von Weiß reflektiert wird. Beide stehen am jeweils gegensätzlichen Ende der Farbskala und sind dennoch ohne einander nicht denkbar, auch im Sinnbildlichen.

Aus diesem Grund wirken Muster und Strukturen in Schwarz-Weiß ganz besonders klar und intensiv. Und erfreuen sich bei Mode- und Interieur-Designern immer wieder großer Beliebtheit, was alles andere als Schwarz-Weiß-Denken signalisiert. Die grafische Experimentierfreude und das Unbekümmerte der 50er und 60er Jahre mit ihren eindeutigen und kraftvollen Mustern feiert mal wieder ein fröhliches Comeback. Besonders beliebt sind zurzeit schwarz-weiße Wohnaccessoires.

   
Die kommende Saison greift mit Begeisterung "black and white" wieder auf. Kein Wunder, denn die starken Kontraste harmonisieren exzellent miteinander. Sie setzen kräftige Akzente, lassen andere Farben intensiver wirken und vermitteln Dynamik. Ob in Streifen, gepunktet, geringelt oder asiatisch stilisiert, die Kombination ist immer ein Eyecatcher. Und auf großen Flächen vermitteln ein tiefes Schwarz oder strahlendes Weiß dezente Eleganz mit einer gewissen Spannung, die stets einen Hauch von kühlem Understatement mit sich bringt.

Viele Künstler der letzten 50 Jahre ließen sich von den Nicht-Farben beeindrucken und schufen Werke, die bis heute nichts von ihrer Rhythmik und vibrierenden Dynamik eingebüßt haben. Auch in der Fotografie erhält sich das Schwarz-Weiß, trotz aller ständigen technischen Verfeinerungen der Farbwiedergabe, einen steten und legitimen Platz.

   
Seit den 50er Jahren waren es immer wieder besonders die skandinavischen Designer, die zur stilbildenden Avantgarde gehörten und uns auf den Geschmack von klaren Linien, deutlichen Kontrasten und schlichten Formen brachten. Manche Dessins aus dieser Zeit sind heute so aktuell wie eh und je oder erfahren gerade jetzt wieder ein Revival. Viele der fast asketisch strengen Designformen und Farbgebungen orientieren sich heute auch an japanischen Vorbildern. So steht die geometrische Eleganz eines perfekt angerichteten Sushi-Mahles für die Rückbesinnung auf das Wesentliche, das im scheinbar Einfachen liegt. Das erklärt zum Teil auch den anhaltenden Erfolg des Kulinarischen aus dem Land der aufgehenden Sonne und der Kirschblüten.

In einer Zeit, die zunehmend hektischer und unüberschaubarer wird, versteht sich die Sehnsucht der Menschen nach Einfachheit und Klarheit fast von selbst. Dass dies nicht gleichbedeutend sein muss mit langweilig, zeigen viele Mode- und Einrichtungshäuser mit ihren aktuellen Kollektionen. Dicke Streifen, dünne Linien, große und kleine Punkte, Wellenförmiges, Schwarz auf Weiß oder Weiß auf Schwarz: Das Design ist klar und intensiv - und kein bisschen langweilig.

© new econ ag
Foto: Poggenpohl / Orrefors

Original-Ansicht des Artikels aus AM SONNENPLATZ Ausgabe 1/2005 (PDF)

   
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