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1-2-3 und einziehen


Fertighaus
Von dem Image der schnell zusammengezimmerten Hütte haben sich Fertighäuser moderner Couleur meilenweit entfernt. Hohe Qualität der Materialien und durchdachte Energiekonzepte sind Standard. Dabei heißt von der Stange schon lange nicht mehr eintönig. AM SONNENPLATZ - Ihr Kundenmagazin - hat sich im Preissegment der Einsteigerhäuser um 100.000 Euro umgesehen.
Fertighäuser bestehen im Gegensatz zu individuell geplanten Architektenhäusern aus vorgefertigten Elementen. Im Wesentlichen unterscheidet man Häuser in Holzbauweise, die den Großteil der Angebote ausmachen, und solche in Massivbauweise. Die Vorteile der Fertighäuser liegen auf der Hand:
Durch die vorgefertigten Bauteile steht das Haus in wenigen Tagen, Trockenzeiten entfallen und nach dem Innenausbau, der in wenigen Wochen geschafft sein kann, können Bauherren einziehen. Die Auswahl des Traumhauses wird durch Musterhäuser erleichtert. Unter dem Motto "Wunschhäuser zum Anfassen" sind deutschlandweit verteilt Musterhausparks entstanden. Das Problem, sich von einer Zeichnung ausgehend das dreidimensionale Haus nicht vorstellen zu können, entfällt. Bauherren können in diesen Parks Fertighäuser verschiedener Hersteller 1:1 unter die Lupe nehmen, hindurchwandern und sich live für ihr Haus entscheiden. Ein Service, der offensichtlich viele Baufamilien überzeugt. Im Jahr 2003 stiegen die Baugenehmigungen für Fertighäuser in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 9 Prozent. Der Marktanteil des Fertigbaus, so Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau, liegt zurzeit bei 13,1 Prozent. Damit wird jedes 8. Haus in Deutschland in Fertigbauweise realisiert.
   
Die Preise in den Katalogen der Fertighaushersteller sind in der Regel Grundpreis ab Oberkante Keller. Immer mehr Bauherren verzichten aus Kostengründen auf die Unterkellerung ihres Hauses und bauen direkt auf eine Bodenplatte mit einer frostfreien Gründung und einer Zusatzdämmung. Während eine solche Bodenplatte mit 10.000 bis 15.000 Euro zu Buche schlägt, muss für einen 90 qm Keller das Doppelte veranschlagt werden. Bei schwierigem Grund, wie hohem Grundwasserstand oder felsigem Untergrund, wird es noch teurer. Doch die Entscheidung für oder gegen Keller sollte gut überlegt sein. Die Aufgaben, die traditionell in den Keller verlagert werden, müssen andernorts einen Platz finden. Vorratshaltung kann auch in einer Kammer neben der Küche betrieben werden, fürs Wäsche waschen und aufhängen muss ein zusätzlicher Hauswirtschaftsraum oder ein Gästebad eingeplant sein, ein Heizungsanschluss findet evtl. in einer Treppennische Raum. Schwierig wird es bei Abstellräumen für Gartenmöbel, Fahrräder und für einen Hobby- oder Partyraum. Hier wird eventuell ein Gartenhaus benötigt. Letztlich bedeutet der Verzicht auf einen Keller eine größere Grundfläche des Hauses und einen verkleinerten Garten. Ein Teil der Einsparungen durch den Kellerverzicht werden durch die Schaffung solcher Ersatzflächen wieder ausgeglichen. Zudem ist der Wiederverkaufswert von Häusern mit Keller höher. Bauherren, die die Investition in eine Vollunterkellerung scheuen, finden eine preisgünstige Alternative in einer Teilunterkellerung evtl. mit einem Fertigkeller. Auch muss der Kellerausbau nicht bereits bei Einzug fertig abgeschlossen sein, sondern kann, sofern die Voraussetzungen wie Strom, Wasser, Sanitäranlagen bereits eingeplant sind, später erfolgen. Nicht sparen sollte man an einem fachmännisch ausgeführten Schutz gegen Feuchtigkeit, Wärmedämmung und einer der späteren Nutzung entsprechenden Lüftung.
   
Ein Fertighaus ist zwar in wenigen Tagen aufgestellt, doch bereits Monate vorher bedarf es einer sorgfältigen Planung und Vorbereitung, damit am Tage X dann auch alles perfekt laufen kann. Zunächst gilt es, sich durch einen Ordner mit Papierkram zu arbeiten. Der Bauherr sollte sich vor Planungsbeginn über die finanziellen Möglichkeiten beraten lassen, die Unterlagen zum Wunschgrundstück auf dessen Bebaubarkeit prüfen und sich über anfallende Erschließungs- oder Anliegerkosten informieren. Sobald das konkrete Angebot der Fertigbaufirma über den ausgewählten Haustyp vorliegt, erstellt der Finanzierungsberater einen Finanzierungsplan. Ist ein Keller vorgesehen, muss auch ein Kellerplan erstellt werden und die Kosten hierfür in die Finanzierung einfließen. Auch über spezielle Förderprogramme des Bundes und des jeweiligen Bundeslandes sollte der Berater Bauherren in Kenntnis setzen. Etwas Zeit benötigen der Bauantrag und dessen Genehmigung. Obwohl in vielen Bundesländern inzwischen beschleunigte Verfahren eingeführt wurden, sollten drei Monate für diesen Schritt kalkuliert werden. Mit dem Einreichen des Bauantrages kann auch der Antrag auf Bewilligung öffentlicher Mittel gestellt werden. Liegen Baugenehmigung, Finanzierung und die Statik vor, kann es endlich losgehen. Der Fertighaushersteller bemustert die Ausstattung des Hauses. Die Baufamilie hat so eine genaue Vorstellung von dem zu verwendenden Material. Doch Vorsicht: Sagen beispielsweise die Standardfliesen nicht zu und die Bauherren wünschen andere, führt das in der Regel zu einem Aufpreis. Einer der wichtigsten Termine ist die Besprechung zum Baubeginn. Termine, Vorgehen und Ansprechpartner werden festgelegt. Nun beginnen die Arbeiten auf der Baustelle. Der Keller wird ausgeschachtet und gebaut oder nur die Bodenplatte gegossen. Wenige Wochen später kann die Anlieferung des Materials erfolgen und die Montage des Rohbaus erfolgen. Wände in Holzbauweise benötigen keine Trockenzeit, wohl aber vor Ort aufgetragener Estrich. Zwischen Montage und Übergabe des Baues an die Bauherren verstreichen nur etwa 4-6 Wochen, in denen der Innenausbau erfolgt.
   
Nahezu alle Fertighaushersteller bieten so genannte Einsteigerhäuser an. Unter dem Begriff werden Einfamilienhäuser mit einer Grundfläche von 90 bis ca. 130 qm in Standardausstattung verstanden, die auch für junge Paare oder Familien erschwinglich sind. Oft werden die Modelle auch als Selbstbauhäuser oder Ausbauhäuser angeboten, was bedeutet, dass handwerklich geschickte Bauherren durch Eigenleistung ihre finanzielle Belastung so gering wie möglich halten können. Die Preise variieren von 37.000 Euro beim Selbstbauhaus bis hin zu 150.000 Euro für das schlüsselfertig erstellte Familienhaus. Keller, Wintergarten, Carport oder Balkonanlage zählen zu Sonderausstattungen und sind gegen Aufpreis zu haben. Um verschiedene Anbieter zu vergleichen, sollten die Bau- und Leistungsbeschreibungen samt Preis-, Material-, Mengen- und Qualitätsangaben möglichst detailliert verglichen werden. Darin wird beschrieben, welche Vorleistungen die Bauherren erbringen müssen und welche Leistungen vom Anbieter beim angegebenen "Festpreis" übernommen werden. Dazu gehören zum Beispiel Bau-Versicherungen, Wasser und Strom für die Baustelle, Baugrunduntersuchungen, der Zufahrtsweg für die Schwerlaster oder ein befestigter Platz für den Kran.

© new econ ag
Fotos: Ex-Norm Haus / Okal Haus


Original-Ansicht des Artikels aus AM SONNENPLATZ Ausgabe 2/2004 (PDF)

   
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