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Energieeffizient Bauen


Positive Einstrahlung
Wohl zu den imposantesten Bauwerken der Welt zählen die ägyptischen Pyramiden. In Planung und Ausführung eine Meisterleistung, wenn man bedenkt, welche Hilfsmittel damals nur zur Verfügung standen. Die sichtbaren quadratischen Steinblöcke der Cheopspyramide haben eine durchschnittliche Kantenlänge von einem Meter, ein einzelner Block wiegt 2,5 Tonnen. Trotz der Größe zeigt der Gigant nur geringe Maßtoleranzen auf und ist genau nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet.
Auch wenn die Gelehrten über den Sinn und Zweck dieser Ausrichtung streiten und sich die Planung zwischen Eigenheim und Weltwunder gravierend unterscheidet, ist ein Faktor gleich geblieben: Der Entwurf des Hauses nach den Himmelsrichtungen. Durch die entsprechende Orientierung der Wohnräume lässt sich Energie einsparen und ein Raumklima schaffen, das dem Lebensrhythmus der späteren Bewohner entspricht. Gut geplant wird nach der Faustregel, die fast jedes Kind kennt: "Im Osten geht die Sonne auf, im Süden nimmt sie ihren Lauf, im Westen wird sie untergehen, im Norden ist sie kaum zu seh`n".
   
Ist das Schlafzimmer nach Osten ausgerichtet und dort auch der Platz für ein großes Tageslichtbad, kann der Tag, wann immer möglich, sonnig und beschwingt beginnen. Selbst Morgenmuffel werden durch die aufmunternden Sonnenstrahlen eines Besseren belehrt. Die Ostseite garantiert eine Sonneneinstrahlung am Morgen. Alle, die ihren Arbeitsplatz zu Hause haben, sollten ihr Büro oder die Werkstatt auf die Ostseite des Hauses legen. In den leistungsstarken Vormittags-stunden bringt die natürliche Lichteinstrahlung zusätzliche Motivation. Als wertvollste Hausseite gilt natürlich die Südseite, da die Mittagssonne im Sommer hier am steilsten steht und auch im Winter an sonnigen Tagen genügend Tageslicht den Raum erhellt. Aufenthaltsräume wie Wohnzimmer und Kinderzimmer sind hier bestens positioniert. Die Sonne hat jedoch solch eine Kraft, dass die Räume in der warmen Jahreszeit zu stark aufgeheizt werden können. Sonnenschutzverglasung kann hier Abhilfe schaffen. Auch Markisen, die sich je nach Einstrahlung aus- oder einfahren lassen, schaffen im Sommer wertvolle Schattenflächen.
   
Wer nach einem harten Tag von der Arbeit nach Hause kommt, nutzt abends gerne die Zeit, um sich noch an der Sonne zu erfreuen. Bestens angeordnet sind auf der Westseite deshalb ebenfalls Aufenthaltsräume, in denen man entspannen kann. Durch den niedrigen Sonnenstand werden die Räume auch abends erwärmt und belichtet. Der Norden gilt gemein als die schlechteste Seite des Hauses. Auf die Wetterseite des Hauses kommen außerdem kalte Winterwinde hinzu. Aufenthaltsräume sollten hier nicht angeordnet werden. Um ausreichenden Lichteinfall zu erhalten, wären große Fenster notwendig, die hier aufgrund der Energie-effizienz völlig fehl am Platze wären. Perfekt ist die Nordseite für Abstellräume, Heizung und Garage. Da auch Fliegen und Mücken die kühle Seite des Hauses meiden, sind Vorratsräume und Speisekammer hier sehr gut aufgehoben.
   
Die Windrose weist auch noch Nebenhimmelsrichtungen auf. Legt man einen Kompass über den Grundriss eines Hauses, ergeben sich weitere geeignete Standorte für Räume: Der Südosten sollte Platz bieten für die wichtigste Mahlzeit des Tages: das Frühstück. Haus-wirtschaftsraum, Eingang und Küche sind im Nordwesten gut aufgehoben, Treppenhaus und Flur verbannt man nach Nordwesten. Soll die Sonnenenergie noch stärker ausgenutzt werden, gilt es sich in Richtung Süd-Südwest zu orientieren. Kollektoren zur Warmwassernutzung und Heizungsunterstützung oder eine Fotovoltaikanlage arbeiten dort auf Hochtouren. Der Versuch, Grund-stückslage, jetzige und spätere Nutzungen, die Lebensgewohnheiten der Bewohner und Arbeitsabläufe optimal unter einen Hut zu bekommen, stellt Bauherren vor komplexe Problemstellungen. Hier setzt dann der Architekt oder Planer an, hilft weiter und findet Lösungen, um alles in Einklang zu bringen. Heute stehen dazu Computerprogramme und Software zur Verfügung, die sogar den Sonnenstand simulieren und die Verschattung zeigen. Fotorealistisch können Baufamilien auf dem Monitor noch vor Baubeginn durch ihr Traumhaus laufen. Eine Planungshilfe, an die die Ägypter nicht im kühnsten Traum gedacht hätten. Denn genau wie damals, sollte auch heute nach den Himmelsrichtungen gebaut werden, um kostenlose Sonnenenergie auszunutzen.

© AM@NEW-ECON.DE
Foto: ProMassivhaus

   
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