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Geiz ist geil - auch beim Hausbau


Durch Verzicht auf teure Extras wird das Eigenheim erschwinglich
Nicht selten scheitert der Traum von den eigenen vier Wänden am mangelnden Budget. Denn die Kosten für den Hausbau sind in den letzten Jahrzehnten deutlich stärker gestiegen als die Einkommen der Häuslebauer. Doch auch heutzutage kann Bauen erschwinglich sein - z.B. durch gezielten Verzicht auf mehr oder weniger sinnvolle, teure Hausbau-Extras.
Das Problem ist vom Autokauf bekannt: ein VW Golf oder eine Mercedes A-Klasse für unter 20.000 EUR? Kein Problem. Wer aber beim Zusammenstellen des Neuwagens auf teures Sonderzubehör nicht verzichten möchte, zahlt extra. Da landet man dann schnell beim doppelten vom Basispreis. Beim Hausbau ist das prinzipiell nicht anders. Auch hier neigen Häuslebauer bei der Planung oft zu luxuriösen Details. Schließlich baut man ja nur einmal. Den Baukosten bekommt diese Einstellung weniger gut, sie werden dadurch mehr als nötig in die Höhe getrieben.
   

Ist die Wunschliste gar zu lang, rückt der Traum vom Eigenheim oft noch vor der Realisierung in weite Ferne. Schlechter dran sind allerdings Häuslebauer, die erst während der Bauphase feststellen, dass ihre finanzielle Leistungsfähigkeit mit ihren Ansprüchen an die eigenen vier Wände nicht Schritt halten kann. Zum Gegensteuern ist es oft zu spät. Nach Angaben des Bauherren-Schutzbunds e.V. (BSB) sind häufige Ursachen für Finanzierungslücken:

  • Mehrkosten durch nachträgliche Vertragsänderungen (mögliche Finanzierungslücke ca. 5.000 bis 7.500 EUR)
  • Überschätzung der Kostenersparnis und fehlerhafte Kalkulation der Materialkosten bei Eigenleistungen (ca. 2.500 bis 15.000 EUR)
  • unausgewogene Zahlungspläne mit Vorleistungen/Überzahlung seitens des Bauherren
  • Mehrkosten durch Überschreitung der vertraglich vereinbarten Bauzeit (finanzielles Risiko 5.000 bis 7.500 EUR)

Wegen solcher, meist nicht vorhersehbarer Zusatzkosten sollten finanzielle Reserven eingeplant werden. Das geht oftmals nur, wenn beim geplanten Objekt von vornherein gespart wird. Laut einer Untersuchung von Infratest bemühen sich mittlerweile 65 Prozent aller Bauherren um Kosteneinsparung beim Hausbau. Mitte der 90er-Jahre lag dieser Anteil noch bei lediglich 50 Prozent.
   

Welche Kostensenkungsmaßnahmen beim Hausbau in Frage kommen, ist jeweils ganz individuell zu prüfen. Das größte Einsparpotenzial bieten der Verzicht auf eine Unterkellerung des Hauses (ca. 25 Prozent der Bauherren tun dies) und die konsequente Einbringung von Eigenleistung bei der Realisierung des Eigenheims (hierdurch lassen sich bis zu 20 Prozent der Gesamtkosten sparen). Die folgende Auflistung bietet einen Überblick über die Vielzahl weiterer planerischer und bautechnischer Maßnahmen zur Entlastung des Budgets.

  • Rechtzeitig Baugenehmigung einreichen
    Die günstigste Bauzeit ist von Frühling bis Herbst. Reichen Sie den Antrag zur Baugenehmigung rechtzeitig ein, sodass der Zeitpunkt für den Baubeginn auf jeden Fall eingehalten werden kann, sonst drohen teure Verzögerungen. Ersparnis: ca. 2.000 EUR.
  • Grundstücksgröße und Grundfläche: Jeder Quadratmeter kostet Geld
    Kalkulieren Sie möglichst genau die Grundstücksgröße, die Sie benötigen. Bei rund 150 bis 400 EUR pro Quadratmeter (z.B. in Ballungsgebieten) kommt schnell ein höherer Betrag zusammen. 100 Quadratmeter weniger sparen dann zwischen 15.000 und 40.000 EUR. Wenn Sie von vornherein den Dachausbau vorsehen und darüber Wohnfläche schaffen, kann ggf. die Grundfläche des Hauses reduziert werden.
  • Objekt mit einfacher Grundform bevorzugen
    Wählen Sie eine einfache Grundform des Baukörpers. Wandvorsprünge, Erker und Nischen bedeuten einen höheren Material- und Arbeitsaufwand und kosten später wegen der größeren Oberfläche des Hauses mehr Heizenergie. Eine Minimierung der Außenwandfläche bringt also bares Geld. Niedrigere Decken schonen ebenfalls das Budget. Einsparpotenzial rund 8.000 EUR.
  • Materialauswahl für Außenwände und Decken
    Der Preis pro Quadratmeter Außenwand liegt bei einer Holzständerkonstruktion, innen Gipskarton, außen Spanplatte, Mineralwolle eingelegt, bei rund 115 EUR. Dickeres Mauerwerk mit Wärmedämmung, Sichtmauerschale und Innenputz kostet dagegen schon rund 250 EUR pro Quadratmeter. Deckenkonstruktionen aus Holz sind rund ein Drittel günstiger als massive Stahlbetondecken. Beton-Fertigelemente bringen gegenüber gegossenen Betondecken eine ähnlich hohe Kostenreduzierung. Einsparpotenzial insgesamt bis zu 30.000 EUR.
  • Eine preisgünstige Dachform wählen
    Mit der Entscheidung für ein Satteldach lassen sich gegenüber einem Walmdach rund 5.000 EUR sparen. Dächer mit einer Neigung von 35 bis 40 Grad eignen sich gut für einen späteren Ausbau in Eigenleistung, mit dem sich nachträglich zusätzliche Wohn- bzw. Nutzfläche schaffen lässt. Das Pultdach zählt ebenfalls zu den preisgünstigeren Dachformen.
  • Fensterflächen: Größe und Ausrichtung
    Fenster sollten in Richtung Süden und Westen großzügiger eingesetzt werden. Damit lässt sich im Jahresmittel mehr Energie durch Sonneneinstrahlung gewinnen als durch Wärmeverluste verloren geht. An der Nord- und Ost-Seite sollten Fensterflächen dagegen möglichst klein ausfallen. Sie sind zudem teurer als Wandflächen und bieten eine schlechtere Wärmedämmung.
  • Wohnraumplanung: Sparen mit intelligenten GrundrisslösungenSo genannte Verkehrswege eines Hauses, also Dielen und Flure, beanspruchen rund 20 Prozent der Wohnfläche. Durch offenere, intelligente Grundrisslösungen und weniger Räume (Wände verringern die Nutzfläche) kann gespart werden. Das reduziert zudem die Maler und Tapezierarbeiten.
  • Verzicht auf Rollläden
    Bis zu 3.500 EUR lassen sich durch den Verzicht auf Rollläden - komplett oder zumindest in der oberen Etage - sparen. Diese Maßnahme kommt gleichzeitig der Wärmedämmung zugute, denn Rollläden stellen besonders problematische Kältebrücken dar.

© Insignio (cp)


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