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Kostengünstig und flexibel


Bauen mit Stahl - die interessante Alternative zur Massiv- oder Holzfertigbauweise
Herkömmlicher Massivbau oder Fertighaus aus Holz: Das scheinen für die meisten Bauherren die einzig denkbaren Optionen für die Umsetzung ihres Bauwunsches zu sein. Der Werkstoff Stahl - bei der Erstellung von Industrie- und Gewerbebauten weit verbreitet - spielt im Wohnungsbau kaum eine Rolle. Sein Marktanteil liegt hierzulande bei unter einem Prozent. In Ländern wie Schweden oder Japan kommen "Stahl-Häuser" dagegen schon auf einen Marktanteil von rund 15 Prozent.

Schon zwischen 1920 und 1930 hat es in Deutschland Erfolg versprechende Ansätze für den Werkstoff Stahl beim Bau von Wohnhäusern gegeben. So wurden bis 1930 in Deutschland rund 1.000 Häuser mit Leichtbau-Tragwerken und Stahlblechfassaden errichtet. Doch dabei blieb es vorerst. Einige Jahrzehnte später, in den 60er Jahren, nahmen dann die Versandhäuser Quelle und Neckermann Stahlfertighäuser in ihr Angebot auf - doch auch diesen blieb ein Durchbruch auf breiter Front versagt.

"Anders als in den USA, Schweden oder auch Japan haben hierzulande noch viele Menschen Vorurteile gegenüber Wohnhäusern in Stahlbauweise", meint Dr. Reinhard Winkelgrund, Geschäftsführer des in Düsseldorf ansässigen Stahl-Informationszentrums. "Dabei sind diese Bedenken unberechtigt. Bewohner von Stahlhäusern sind überdurchschnittlich zufrieden mit ihrer Wahl". Diese Einschätzung wird von einer Umfrage des Stahl-Informations-Zentrums bestätigt. Danach würden 94 Prozent der Bewohner von Stahlhäusern ihren Freunden ebenfalls ein solches Haus empfehlen und 96 Prozent selbst nochmal ein Haus aus Stahl bauen.

   

Die geringe Verbreitung von Wohnhäusern in Stahlbauweise ist umso erstaunlicher, wenn man die systembedingten Vorteile dieser Bauweise betrachtet. Besonders die Flexibilität der Konstruktion hat es Bewohnern angetan. Da in den meisten Fällen eine Stahlrahmenkonstruktion im wahrsten Sinne des Wortes die tragende Rolle spielt, können Innenwände frei von statischen Zwängen beliebig angeordnet und später bei Bedarf mit vergleichsweise geringem Aufwand versetzt werden.

Dank der Trockenbauweise kann die Eigenleistung des Bauherrn überdurchschnittlich hoch sein - das spart Geld. Ebenfalls positiv auf die Haushaltskasse wirkt sich der hohe Vorfertigungsgrad aus: Gegenüber konventionellen Rohbauten liegen die Kosten bei der Stahlrahmenbauweise um rund 30 Prozent niedriger. Genau definierte Werkstoffeigenschaften erlauben zumindest ansatzweise industrielle Fertigungsprozesse, wie sie in der Automobilproduktion praktiziert werden. Das ermöglicht außerdem eine vergleichsweise kurze Bauzeit.

Und schließlich sprechen ökologische Aspekte für diese Bauweise, denn bei Stahl handelt es sich um einen recycelbaren Werkstoff. Für den Bau eines Eigenheims reicht der aufbereitete Stahl von fünf bis acht Altautos.

   

Bei der so genannten Rahmen- oder auch Skelettbauweise erzeugen die in unterschiedlichen Rastern kombinierten Stahlrahmen eine praktisch stützenfreie Grundfläche des Hauses. Alle Lasten werden über die Profile abgetragen. Das Rahmentragwerk besteht aus warm gewalzten Profilen, aus Hohl- oder Leichtbauprofilen oder aus dem klassischen Doppel-T-Träger.

Bei der Ständerbauweise werden dagegen für das Tragwerk meist C- oder U-Profile aus feuerverzinktem Stahlblech verwendet. Eine Mischform beider Bauweisen stellen die so genannten Raummodule dar. Dabei werden die Rahmen schon in der Fabrik zu Raumzellen verbunden, praktisch vollständig ausgebaut und fertig auf die Baustelle geliefert.

   

Das Ehepaar Goetz aus Manderscheid entschied sich für eine Stahlrahmenkonstruktion. 8,5 Tonnen Stahl bilden das tragende Gerüst ihres Hauses. Vorgefertigte und vorgebohrte Stützen und Träger, die lediglich zusammengeschraubt werden mussten, ermöglichten eine schnelle und simple Montage des Traggerüsts, das in nur drei Tagen auf dem massiven Keller-Hanggeschoss errichtet wurde.

Das in Manderscheid in der Eifel errichtete Einfamilienhaus war für den Bauherrn, einen Metall-Unternehmer, eine persönliche Herausforderung. Von außen weist nichts auf das stählerne Innenleben des verputzten Gebäudes hin. Auch im Inneren wird der Stahl meist versteckt gehalten. Die Konstruktion verschwindet bis auf wenige sichtbare Stützen vollständig in den Wänden.

Gegeneinander versetzte Pultdächer, das vorspringende Treppenhaus für die innere Erschließung und der viertelkreisförmige Baukörper mit der überdachten Eingangstreppe bestimmen das Erscheinungsbild des Gebäudes. Das Hanggeschoss nimmt in den gut belichteten Bereichen eine abgeschlossene Einliegerwohnung mit separatem Eingang auf. Die übrigen Räume dienen der Haustechnik und der Vorratshaltung.

   

Geplant wurde das Stahlhaus von den Architekten des Büros 3L-Plan im sauerländischen Menden. Durch den Einsatz von Stahl im Wohnungsbau verfolgen Sie eine Abkehr von der klassischen hin zur elementierten Bauweise. Mittels qualitätsgesicherter Montage statt des "nassen Bauens" soll eine Kostenreduzierung im Wohnungsbau erreicht werden.

Nicht zuletzt ist die Stahlbauweise auch ein Garant für ökologischeres Bauen. Positiv ins Gewicht fallen dabei die konzentrierte Fertigung und kurze Bauzeit, die optimierte Werkstoffausnutzung sowie die Vermeidung von Bauschutt. Und hinzu kommen natürlich auch die besondere Variabilität und Flexibilität des Bauens mit Stahl. Argumente, die in Zukunft noch viele Bauherren von dieser Alternative überzeugen könnten.

© Insignio (cp)
Fotos: 3L Architekten + Industriedesigner


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