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Heizsysteme im Vergleich


Umweltfreundliche Anlagen langfristig im Vorteil
Benötigen Hausbesitzer eine neue Heizungsanlage, stellen sich im Vorfeld viele Fragen. Lohnt es, angesichts steigender Öl- und Gaspreise weiterhin auf konventionelle Energieträger zu setzen, oder sind regenerative Energien wie Holz und Erdwärme langfristig kostengünstiger?
Ginge es nur um die reinen Anschaffungskosten, fiele die Entscheidung leicht: Gas- und Ölkessel haben hier mit 5.000 bis 7.000 Euro Neupreis klar die Nase vorn. Alternative Holzpelletheizungen und Wärmepumpen verschrecken dagegen Interessenten mit hohen Investitionskosten: Pelletanlagen sind kaum unter 13.000 Euro zu realisieren, Wärmepumpen nicht unter 15.000 Euro. Doch der Kaufpreis ist nur eine Seite der Medaille. Bei der Entscheidung für oder gegen ein Heizsystem spielen viele weitere Faktoren eine Rolle. So beeinflussen die Brennstoffkosten ebenso die Gesamtkalkulation wie Umweltaspekte und die baulichen Gegebenheiten vor Ort.
   
Um die langfristigen Kosten-wirkungen unterschiedlicher Energieträger zu verdeutlichen, genügt eine anschauliche Überschlagsrechnung. Jörg Buschmann, Energieberater bei der Energieagentur Nordrhein-Westfalen, hat für seine Kunden folgende Aufstellung parat: Aktuell kostet eine aus Öl oder Erdgas erzeugte Kilowattstunde Energie etwa 6 Cent. Moderne Pelletheizungen schaffen die gleiche Leistung zu einem Preis von etwa 4 Cent. Erdwärmepumpen, die verbilligten Spezialstrom nutzen, benötigen bei günstigen Voraussetzungen nur 3 Cent. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 150 Quadratmeter Nutzfläche veranschlagt Buschmann einen jährlichen Energiebedarf von etwa 20.000 Kilowattstunden. Unterm Strich, so der Energie-fachmann, verursacht die konventionelle Heizung damit 1.200 Euro Brennstoffkosten im Jahr, die Pelletheizung 800 und die Wärmepumpe 600 Euro. Unterstellt man konstante Energiepreise, so spart die Pelletheizung im Lauf von 15 Jahren 6.000 Euro gegenüber Öl- und Gasbrennern, die Wärmepumpe sogar 9.000 Euro – das relativiert die eingangs beschriebenen, höheren Investitionskosten.
   
Die Verbrauchskosten lassen sich weiter reduzieren. Das Zauberwort dazu heißt Solarwärme. Jedes moderne Heizsystem ist mit Solarunterstützung optimierbar. Sechs bis acht Quadratmeter Kollektorfläche genügen, um ein Einfamilienhaus mit Warmwasser zu versorgen. Investitionskosten: 5.000 bis 6.000 Euro. Wer zudem mit Sonnewärme heizen möchte, der benötigt die drei- bis vierfache Kollektorfläche. Positiv: Die Energie-einsparung beträgt dann rund 30 Prozent. Vorteil für Investoren: Die öffentliche Hand spendiert 135 Euro pro Quadratmeter Solarfläche an Fördermitteln, wenn Heizung und Warmwasser gleichzeitig umgerüstet werden. Interessenten erhalten ausführliche Informationen beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAfA). Tipp: Das BAfA vergibt auch Zuschüsse für Pelletheizungen, im Schnitt etwa 1.700 Euro pro Anlage.
   
Schematische Darstellung
einer Wärmepumpe
Den Heizungskauf beeinflussen auch lokale Gegebenheiten sowie der Grundriss des Hauses. Liegt zum Beispiel eine Erdgasleitung am oder im Haus an, so können teure Vorratstanks für die Lagerung des Brennstoffs entfallen. Das senkt Investitionskosten, mindert den Platzbedarf und macht die Versorgung sehr bequem. Aber Achtung: Ist das Haus noch nicht an die Gasleitung angeschlossen, so muss mit Anschlussgebühren von etwa 1.500 Euro gerechnet werden. Anderes Beispiel: Möchte sich der Eigentümer für eine umweltfreundliche Pelletheizung entscheiden, setzt dies einen trockenen Raum zur Pelletlagerung voraus – das kann teure Umbauten hervorrufen. Kostentreibend können auch system-immanente Anforderungen sein: So benötigen Wärmepumpen und viele Pelletheizungen so genannte Pufferspeicher – große Wassertanks mit bis zu 1.000 Liter Fassungsvermögen, die überschüssige Wärmeenergie zwischenspeichern. Kosten: 850 bis 1.500 Euro.
   
Zu den laufenden Betriebskosten einer Heizungsanlage gehören zum Beispiel die Stromkosten, aber auch die Kosten für den Kaminkehrer. Diese können recht unterschiedlich ausfallen. Mit etwa 30 Euro pro Kehrung müssen Hausbesitzer rechnen. Da bei modernen Gas-Brennwertkesseln der Kaminkehrer nur noch alle zwei Jahre vorbeischaut, entstehen hier Kosten von nur 15 Euro pro Jahr. Anders bei Holzheizungen: Mindestens zwei Besuche pro Jahr sind nötig, bei Scheit-holzheizungen auch mehr. Die Jahreskosten belaufen sich in diesem Fall auf mindestens 60 Euro. Binnen zehn Jahren summiert sich der finanzielle Mehraufwand bei Holzheizungen allein für den Kaminkehrer auf 450 Euro. Tipp: Günstig fahren Wärmepumpenbetreiber, die keinen Kamin besitzen. Hier entfallen die Kehrkosten. Aber Achtung: Häufig entsteht Streit, wenn wegen des Betriebs der Wärmepumpe ein vorhandener Kamin stillgelegt wird. Der Schornsteinfeger kommt dann trotzdem zum Nachschauen und fordert seinen Obolus.

© Insignio (ge)
Fotos: Energieagentur NRW (2), Grafik: Tecalor

   
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