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Warm verpackt: Eigenleistung


Nullrunde, Weihnachtsgeld gestrichen oder keine Bezahlung der geleisteten Überstunden – viele Arbeitnehmer, die mit diesem Geld gerechnet hatten, um dringende Sanierungs- und Reparaturarbeiten vorzunehmen, müssen umdenken.
Hauseigentümer bringen viel Eigeninitiative auf und erledigen einen Großteil der Arbeiten rund um das Haus selbst. Der Heimwerkermarkt boomt. Baumärkte überbieten sich mit Angeboten für Heim und Hobby, Heimwerkersendungen im TV-Programm versuchen die Ängste vor Arbeiten beim Ausbau zu nehmen. Meldungen über den notwendigen Energiepass und die steigenden Preise für Gas und Öl veranlassen Eigenheimbesitzer zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen. Eine wesentliche Voraussetzung zur Einsparung von Heizenergie ist die Verbesserung der Außenbauteile eines Gebäudes. Das "Einpacken" des Hauses zeigt sofortige Wirkung bei der nächsten Heizkosten-abrechnung. Ein weiterer "Einspareffekt" bei diesen Arbeiten ist durch das Einbringen der eigenen Leistung möglich, die einen geldwerten Vorteil im eigenen Portemonnaie bringt.
   
Für die notwendige Beratung stehen vielfältige Anlaufstellen zur Verfügung. Man kann einen Fachbetrieb für Außenputz, einen eingetragenen Energieberater oder einen Architekten aufsuchen. Um sicher zu gehen, dass keine Schäden durch Wärmebrücken oder Tauwasserbildung entstehen, muss eine Berechnung des Wärmedurchgangs der Wände durch den Fachmann erfolgen. Hierbei werden das geeignete Material und die Stärke der Dämmstoffe festgelegt. Danach können Eigentümer und Experte darüber beraten, welche Arbeiten in Eigenleistung erbracht werden könnten.
   
Um an jeden Punkt der Fassade zu gelangen, sind meist Gerüstarbeiten notwendig. Für diese Arbeiten gibt es strenge Regeln, die durch die Bauberufs-genossenschaft überwacht werden. Viele Unfälle auf dem Bau sind auf mangelnde Gerüste und fehlende Absturzsicherungen zurückzuführen. Gefahren dieser Art dürfen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Gerüstbauarbeiten werden abgerechnet nach Erstellung und Vorhalten, d.h. wie lange soll das Gerüst stehen bleiben. Verschätzt sich der Bauherr in der Vorhaltezeit und das Gerüst muss länger stehen bleiben, erhöht sich der Preis.

Vertraglich sollte genau fixiert werden, welche Arbeiten von der Fachfirma und welche in Eigenleistung erbracht werden. Die Arbeitsschritte müssen aufeinander abgestimmt werden. Entscheidet sich der Bauherr zum Aufbringen der Dämmung, sollte die Arbeit genau nach den Vorgaben ausgeführt werden, sodass möglichst wenig Nacharbeit vom Unternehmer erforderlich wird. Schnell kann es ansonsten zu Unstimmigkeiten und Nachforderungen durch den Profi kommen. Die Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit ist wichtig. Außerdem sollten Helfer zur Verfügung stehen, da viele Arbeiten zu zweit oder mit mehreren besser von der Hand gehen. Werden die vereinbarten Termine für die Fertigstellung der in Eigenleistung erbrachten Arbeiten nicht gehalten, kann es zur Verzögerung der gesamten Maßnahme kommen. Neben Ausführungs- und Lieferterminen muss auch geregelt werden, wer die Haftung und Gewährleistung der Arbeiten übernimmt.

Wer selbst Hand anlegen will, sollte seine Helfer bei der örtlichen Bau-Berufsgenossenschaft beitragspflichtig versichern. Ob die Helfer unentgeltlich oder gegen Bezahlung mitarbeiten, beeinflusst nicht die Versicherungspflicht, aber die Beitragshöhe. Zur Anmeldung reicht die Angabe der Personen und der auszuführenden Arbeitsleistungen. Verstöße gegen die Melde- und Nachweispflichten können mit Bußgeld geahndet werden. Darüber hinaus drohen Bauherren, die ihre Mithelfer nicht versichern, im Schadensfall Ansprüche der Genossenschaft. Für Bauherren und Ehegatten ist diese Versicherung freiwillig. Empfehlenswert ist der Abschluss einer privaten Unfallversicherung.
   
Die Einsparmöglichkeiten sind unterschiedlich, je nach handwerklichem Geschick der Eigentümer. Eventuell kann neben den Dämmelementen auch der Kantenschutz an Tür- und Fensterlaibung und an den Gebäudeecken angebracht werden. Das alles reduziert die Auftragssumme des Profis. Besonderes Verhandlungsgeschick ist notwendig für den Einkauf der Materialien. Sie sollten frei Baustelle geliefert werden. Insgesamt müssen für die Fassadenerneuerung eines frei stehenden Einfamilienhauses mit der Außenwandfläche von 250 m² Kosten von ca. 25.000 Euro angesetzt werden. Bringen die Eigentümer die Dämmung selbst auf, so entspricht diese Leistung einem Wert von ca. 3.750 Euro. Die verbleibenden, zu vergebenden Arbeiten wie Gerüstbauarbeiten, Außenputz und der Einkauf des Materials (Dämmung) schlagen dann noch mit 21.250 Euro zu Buche. Für handwerklich versierte Bastler sind eventuell weitere 5% an Eigenleistungsanteil möglich. Nach erbrachter Arbeit können sich die Eigentümer beruhigt in den Sessel setzen, Pulli und Mütze werden hier nicht mehr gebraucht. Guten Gewissens können sie stolz und zufrieden sein, haben sie doch durch eigene Kraft viel Geld gespart und leisten zudem in der Zukunft einen wesentlichen Anteil zum Klimaschutz.

© am@new-econ.de
Foto: Verband der privaten Bausparkassen

Original-Ansicht des Artikels aus AM SONNENPLATZ Ausgabe 1/2006 (PDF)
   
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