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Tücken beim Immobilienerwerb unter Zeitdruck


Mehrwertsteuererhöhung 2007
Die Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozent dürfte den Kauf oder Bau von Eigenheimen ab 2007 spürbar verteuern. Architekten, Bauträger und Fertighausanbieter werden die Mehrbelastung zu großen Teilen an die Bauherren weitergeben. Immobilienerwerber müssen damit rechnen, dass pro 100.000 Euro Investitionssumme Mehrkosten von 3.000 Euro anfallen. Angesichts dieser Teuerung wundert es nicht, dass viele Kaufwillige über den Erwerb eines Eigenheims noch in diesem Jahr nachdenken.
Von Preisaufschlägen betroffen sind insbesondere Handwerkerleistungen. Wer sich ein Eigenheim erstellen lässt, der muss damit rechnen, dass Handwerksbetriebe die Mehrbelastung durch höhere Steuern auf die Kunden abwälzen. Arbeitsstunden, Materialkosten und den höheren Verbrauchsaufwand für Strom, Benzin usw. werden Baufirmen nicht auf sich sitzen lassen. Ein Preisaufschlag wird auch bei Erwerb über einen Makler festzustellen sein, denn die Courtage des Vermittlers ist umsatzsteuerpflichtig.

Doch nicht alle Leistungen sind von der anstehenden Umsatzsteuererhöhung betroffen. Wer zum Beispiel ein Haus oder eine Eigentumswohnung von einer Privatperson kauft, muss keine Mehrwertsteuer entrichten. Lediglich die Nebenkosten wie Notargebühren dürften leicht steigen. Gleiches gilt für den Kauf eines Grundstücks, denn dieser unterliegt nicht der Umsatzsteuer, sondern der Grunderwerbsteuer – und die verändert sich zum neuen Jahr nicht.
   
Der vorgezogene Immobilienerwerb in 2006 bringt allerdings nicht in jedem Fall finanzielle Vorteile. Gabriele Heinrich, Geschäftsführerin des Bonner Vereins "wohnen im eigentum e.V.“ verweist auf mögliche Fallstricke in Bauverträgen sowie bei den Fertig-stellungsterminen. Außerdem, so Heinrich, haben bereits jetzt einige Bauträger und Fertighausanbieter ihre Preise erhöht, sodass Investoren nicht in jedem Fall noch Sparmöglichkeiten bleiben. Ein häufiger Knack-punkt in Bauverträgen sind so genannte Preisanpassungsklauseln: "Wird die Immobilie zum Festpreis ohne ausgewiesene Mehrwertsteuer gekauft, das Objekt aber nicht mehr im alten Jahr fertig gestellt, so ist der höhere Mehrwertsteuersatz ab 2007 fällig, wenn entsprechende Preisanpassungsklauseln im Vertrag vereinbart sind", warnt die Verbraucher-schützerin. Sind dagegen keine derartigen Klauseln vorhanden oder werden Sie noch im alten Jahr herausgestrichen, bleibt es dagegen beim alten Preis.

Preisanpassungsklauseln sind tückisch, denn sie beziehen sich auf den Gesamtpreis: Sie erlauben dem Anbieter nicht nur, die höhere Steuerbelastung ab 2007 auf die Kunden abzuwälzen. Die Preiserhöhung zählt zugleich rückwirkend und erhöht damit den Gesamt-preis. "Das gilt selbst dann, wenn in diesem Jahr bereits Abschlagszahlungen geleistet werden", warnt Heinrich. Denn erst bei der Endabnahme werde der erhöhte Mehrwertsteuersatz mit der Schlussrechnung verrechnet. Um Preiserhöhungen auszuschließen, sollten Investoren daher konkrete Fertigstellungstermine in ihren Verträgen vereinbaren und Preisanpassungsklauseln aus Festpreisverträgen am besten löschen.
   
Wer ein bestehendes Objekt erwerben möchte, der sollte berücksichtigen, dass der Immobilienkauf stets einen zeitlichen Vorlauf benötigt. Objektsuche, Konditionsverhandlungen und Vertragsprocedere dauern in der Regel mehrere Wochen. Wer zu spät mit der Suche beginnt, der setzt sich zeitlich unnötig unter Druck. Nicht nur, dass sich der Kauf bis ins neue Jahr hinziehen kann und somit teurer wird als geplant. Hektisches Handeln gegen Jahresende kann außerdem zu kostspieligen Fehlern beim Objekterwerb verleiten.

Nach Erfahrungen von Immobilienexperten neigen Last-Minute-Käufer dazu, über bauliche oder technische Mängel einer Immobilie leichtfertig hinwegzusehen – Hauptsache, das Geschäft geht schnell über die Bühne. Das böse Erwachen kommt dann hinterher, wenn kurz nach dem Einzug die ersten Reparaturen anfallen. Zweiter Schwachpunkt: Unter Zeitdruck stehende Käufer akzeptieren viel zu schnell einen ungünstigen Verkaufspreis. Dies gilt umso mehr, wenn der Verkäufer in einer komfortablen Position ist. Schließlich spielt die anstehende Steuererhöhung Verkäufern in die Hände. Wer auf die letzte Minute kommt, um noch günstig zu kaufen, der kann kaum noch mit großem Entgegen-kommen seitens des Verkäufers rechnen. Im Gegenteil: Verkäufer haben wegen der anstehenden Steuererhöhung gegen Ende des Jahres gute Karten, die Preise hoch zu halten. Nur rechtzeitiges Handeln vor "Ladenschluss" kann deshalb finanzielle Vorteile sichern.

© Insignio (ge)

   
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