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Gesünder wohnen nach der Renovierung


Ökologisch renovieren und modernisieren
Spätestens wenn die Tapeten unansehnlich sind, der Putz von den Wänden bröckelt und sich der Fußboden wellt, ist es an der Zeit, über eine Renovierung nachzudenken. Eine Renovierung besteht nicht nur aus etwas frischer Farbe und neuen Möbeln. Immer mehr wird sie als Chance begriffen, alte Bausünden zu beseitigen und das Zuhause nach den eigenen baubiologischen Vorstellungen umzugestalten.

Jährlich werden rund 500.000 Tonnen Wandfarbe bei Renovierungen in Innenräumen verstrichen. Vergessen wird dabei oft, dass viele Farben Schadstoffe wie Lösemittel oder Formaldehyd enthalten. Diese können auch später noch freigesetzt und eingeatmet werden. Reizungen der Atemwege, Kopfschmerzen und unspezifische Beschwerden können die Folge sein. Daher sollte man sich im Vorfeld umfassend über ökologisch sinnvolle Materialien für die Renovierung informieren.

Wieder "in" und besonders ökologisch ist die gute alte Raufasertapete. Sie besteht aus Zellulosefasern und Holzspänen. Das lässt die Wände atmen. Wichtig ist die richtige Farbe zur Tapete. Latex verschließt die Wände wie eine Plastikfolie. Leim- oder Naturharzdispersionsfarben unterstützen die Atmungsfähigkeit der Tapete sehr viel besser. Zargen und Zimmertüren aus unbehandeltem Holz sollten aus ökologischer Sicht nur eine Lasur erhalten.

   
Nicht überall, wo "Natur" draufsteht, ist wirklich nur Natur drin. Gute Dienste leisten Verbraucher- und Naturschutzverbände, die in umfassenden Tests Produkte auf ihre Umweltverträglichkeit prüfen. Zwar gibt es inzwischen ein großes Angebot an umweltfreundlichen Lacken von Naturfarbenherstellern und konventionelle Produkte mit dem Blauen Engel. Laut ÖKO-TEST waren jedoch von 20 getesteten Produkten nur fünf wirklich empfehlenswert. In vielen Lacken fand man Spuren gesundheitsschädlicher Stoffe. Umweltfreundliche Alternativen sind laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auch Leim- oder so genannte Kalk-Kaseinfarben. Leimfarbe wird mit Wasser, pflanzlichem Leim und Pigmenten angerührt. In Feuchträumen sollte sie nicht eingesetzt werden, da sie nicht wasserfest ist. Kalkkaseinfarbe hingegen ist wasserfest. Sie besteht aus Pigmenten, Magerquark und Sumpfkalk. Abgetönt werden die Farben mit Kreide, Marmormehl oder bunten Erd- und Mineralpigmenten.
   
Renovierungsmaterialien auf Basis von Naturstoffen haben in der Regel einen für das Raumklima entscheidenden Vorteil: Sie können überschüssige Luftfeuchtigkeit aufnehmen und später problemlos wieder abgeben. Sie ersetzen zwar nicht das Lüften, wirken aber regulierend. Eindeutiger Spitzenreiter ist hierbei Lehm. Wer also ohnehin sein Mauerwerk aufarbeiten muss oder eine neue Zwischenwand ziehen möchte, sollte über Lehmputze oder Lehmbauplatten nachdenken. Lehmputze lassen sich auf allen ausreichend rauen Untergründen anbringen. Praktischer sind vorgefertigte Lehmbauplatten. Die Verarbeitung ist auch für Laien relativ einfach.
   
Holz als Bodenbelag oder Verkleidungsmaterial für Decken und Wände schafft eine warme, natürliche Atmosphäre. Der Naturstoff strahlt Wärme und Behaglichkeit aus, ist robust und langlebig. Ökologisch sinnvoll sind naturbelassene Hölzer. Das offenporige Material wirkt feuchtigkeitsregulierend und schafft ein gesundes Raumklima. Zudem versprechen Massivdielen und Parkett eine lange Lebensdauer. Baubiologen raten zu einem genagelten Massivholzboden, um Probleme mit ausdünstenden Klebern auszuschließen. Holzböden werden mit Fußbodenwachs oder Bienenwachslasur ökologisch imprägniert. Fertigware gibt es auch als Klickparkett, das ebenfalls nicht verklebt werden muss.
   

Als äußerst strapazierfähiger Bodenbelag kommt Linoleum wieder in Mode. Es wird zu 100 Prozent aus Leinöl, Korkmehl, Holzmehl, Kolofonium und Pigmenten hergestellt und in interessanten Farben und Mustern angeboten. Auch Steinfliesen sind unter ökologischen Aspekten empfehlenswert. Allerdings sollte größten Wert auf die Auswahl eines umweltfreundlichen Klebers und Fugenmittels geachtet werden. Teppichboden ist fußwarm und schalldämpfend. Der Ökobewusste bevorzugt Teppiche mit Juterücken aus Wolle, Kokos, Ziegenhaar oder Sisal. Woll-Teppiche sollten auf keinen Fall mit Mottengift imprägniert sein. Das Siegel "Schadstoff geprüft" sollte die Umweltverträglichkeit dokumentieren.

Auch Kork bietet sich für den Boden an, allerdings ohne PU-haltige Bindemittel. Empfehlenswert sind Bindemittel auf der Basis von Cashew-Nussschalen-Öl, was mit Hilfe eines Zertifikates nachprüfbar ist. Wesentlich haltbarer als furnierte Korksorten mit dünner Nutzschicht ist massives, homogenes Korkparkett. Für manche Schimmelexperten ist Kork jedoch ein rotes Tuch, da dieser Naturstoff in feuchten Räumen Schimmel produzieren kann.

© Insignio (cp)

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