replacenav
TV digital


Trendlabor
Das Zeitalter des digitalen Fernsehens (DVB = Digital Video Broadcasting) ist angebrochen. In Ballungsräumen wie dem Rhein-Main-Gebiet oder Berlin/Brandenburg wird bereits das digitale Signal mit gutem Erfolg ausgestrahlt und das analoge Signal abgeschaltet. Ende 2010 soll DVB-T bundesweit eingeführt sein.
Neben der Ausstrahlung über einen Sendemast als DVB-T (terristisch) ist bereits der Satellitenempfang mit DVB-S möglich, dazu testen Kabelgesellschaften den Einstieg in DVB-C (Cable). Jüngster Spross der DVB-Varianten ist DVB-H (Handheld), das Handy-Fernsehen, das erst Ende November 2004 zum Standard erklärt wurde. Für DVB müssen neue Antennen, Receiver, Decoder und Mobiltelefone angeschafft werden. Im Gegenzug soll eine neue Vielfalt von Programmen kommen und das Zeitalter des interaktiven Fernsehens mit einem Rückkanal anbrechen.
   
Wie digitale Musik mit dem MP3-Standard den Durchbruch schaffte, so ist DVB von MPEG-2 abhängig. Die "Motion Pictures Expert Group Norm 2" zerlegt das Fernsehsignal in einen Audio-, Video- und einen Datenstrom, komprimiert diese und schickt sie als Datenpäckchen auf den Weg. Diese Packerei führt dazu, dass auf einem Übertragungskanal bis zu 4 Programme gesendet werden können. Die Kompression ist dabei variabel angelegt, weil Bilder mit bewegten Sequenzen (z.B. Sportsendungen) eine deutlich höhere Datenrate benötigen als statische Bilder (z.B. Tagesschau mit Sprecher). Neben der digitalen Versendung mit MPEG-2 zeichnet sich das Antennen-Fernsehen DVB-T dadurch aus, dass es die Frequenzen besser nutzt und gerade beim portablen Fernsehen wesentlich weniger störanfällig ist, weil es parallel auf mehreren Kanälen sendet. Daten vom "Nachbarkanal" verhindern das Flimmern und Rauschen dort, wo der Empfang sonst schlecht ist.

Auch DVB-H, das Fernsehen mit dem PDA oder Handy, profitiert von dieser Technik, weil es ebenfalls terristisch gefunkt wird - technisch ist DVB-H ein Unterfall von DVB-T. Bei DVB-H wird das Fernsehbild noch stärker komprimiert und auf die Maße eines kleinen LCD heruntergerechnet. Dazu gibt es die Möglichkeit, die Sendung mit einem Rückkanal über die Datenfunkstandards GPRS bzw. UMTS auszustatten. Auch DVB-S geht mit der Ausnutzung der Frequenzen besser um und kann erheblich mehr Sender zur Verfügung stellen: Fast 1.000 Sender sind bei den DVB-S-Anbietern Astra und Eutelsat im Angebot. DVB-C besticht wiederum durch die Möglichkeit, dass das Kabel auch in der Gegenrichtung genutzt werden kann, etwa zum Telefonieren oder zum schnellen Surfen, das DSL alt aussehen lässt.

   
Das digitale TV hat jedoch auch seine Schattenseiten. Bei DVB-T ist es die Konzentration auf Ballungsräume. Das flache Land wird erst 2010 bedient. In den Ballungsräumen wird dafür die analoge Ausstrahlung eingestellt. Hier müssen also neue Receiver und Antennen angeschafft werden. Auch bei DVB-S braucht es neue Receiver; außerdem müssen die Schüsseln auf die Satellitenanbieter im Osten ausgerichtet werden. Nach Westen ausgerichtete Wohnungen gehen vorerst leer aus. Bei DVB-C hat der Kunde den geringsten Aufwand, dafür streiten sich noch die Kabelanbieter mit den großen Privatsendern, die Geld für das Einspeisen ihrer Programme verlangen. Außerdem müssen die Kabelfirmen ihre Technik erheblich ausbauen, wenn sie Telefonieren und Surfen anbieten wollen. DVB-H ist das jüngste Baby in der DVB-Familie und nicht über erste Feldtests im Berliner Raum hinausgewachsen. Mit dem Nokia 7710 gibt es derzeit nur ein Gerät, welches DVB-H über einen Adapter empfangen kann.

© new-econ.ag
Foto: TechniSat / Spannknebel

Original-Ansicht des Artikels aus AM SONNENPLATZ Ausgabe 1/2005 (PDF)

   
Weitere Artikel
> Wohnen mit Bits und Bytes
> Wenn Handy, Mikrowelle und Co. uns krank machen
Ihr Kundenmagazin
> informieren
> reinschauen
> probieren
> abonnieren
Titelbild 'Am Sonnenplatz'

©ADBAG 2003. Alle Rechte vorbehalten. >Impressum >Datenschutz-Grundsätze >Nutzungsbedingungen Top