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Gesund wohnen – gewusst wie!


Raumklima
Gesunde Lebensbedingungen bilden die Voraussetzung für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Dies betrifft die Ernährung genauso wie unsere Wohnung. In unseren vier Wänden können jedoch zu hohe Luftfeuchtigkeit sowie Ausdünstungen aus Möbeln, Tapeten und Bodenbelägen dicke Luft verursachen – im wahrsten Sinne des Wortes.
Jeder Mensch gibt durch Ausatmen und Schwitzen kontinuierlich Feuchtigkeit ab. Zusammen mit Aktivitäten wie Duschen, Kochen und Waschen sowie durch Pflanzen und Aquarien kommen bei einem Drei-Personenhaushalt schnell sechs bis acht Liter Wasser pro Tag zusammen. Damit sich dieses Wasser nicht an Wänden und Mobiliar niederschlägt, sollte man alle Räume mehrmals täglich lüften (Stoßlüftung fünf bis zehn Minuten). Entsteht Wasserdampf (Duschen, Kochen) ist auf jeden Fall ausgiebiges Lüften angesagt. Erhöhte Feuchtigkeit in Innenräumen kann aber auch entstehen, wenn ein Neubau vor dem Einzug nicht genügend getrocknet war, ein in der Wand liegendes Wasserrohr undicht ist (z.B. durch versehentliches Anbohren beim Renovieren) oder die Außenwände schlecht gedämmt sind.

Zu hohe Luftfeuchtigkeit beeinträchtigt die Behaglichkeit eines Zimmers und sorgt in Verbindung mit Wärme für ein unangenehmes tropenähnliches Klima. Sie hat aber auch noch einen anderen, unangenehmen Nebeneffekt: Sie schafft die idealen Lebensbedingungen für Schimmelpilze. Diese sind zwar immer in der Luft vorhanden, doch sie lassen sich erst dann nieder, wenn sie die richtigen Lebensbedingungen vorfinden. Sie mögen Feuchtigkeit, sei es in der Ecke hinter dem Schrank, hinter der Tapete oder unter dem Teppichboden. Neben einem modrigen, muffigen Geruch sind sie an den typischen Flecken erkennbar. Sie verursachen zwar keine Materialschäden, können aber – selbst wenn sie abgetötet sind – bei Menschen Asthma sowie Haut- und Schleimhautreizungen auslösen.
   
Hat man in der Wohnung Schimmelpilze entdeckt, dann ist es wichtig, nach der Ursache zu suchen. Ein feuchter Neubau muss ausreichend beheizt und belüftet werden, damit die Feuchtigkeit verdampfen und entweichen kann. Ein Leck im Wasserrohr müssen Sie abdichten und dafür sorgen, dass die feuchte Stelle durch Luftzirkulation abtrocknen kann. Bei schlechter Wärmedämmung empfiehlt es sich, Schränke vor Außenwänden mit einem Abstand von fünf bis zehn Zentimetern aufzustellen. Eine Alternative ist, den Schrank vor einer Innenwand zu platzieren.

Einen sichtbaren Befall kann man, sofern die Fläche nicht zu groß ist, in der Regel in Eigenarbeit beseitigen. Zuerst sollten Sie die Stellen feucht und dann mit 70- bis 80%-igem Ethylalkohol abwischen. Diese Vorgehensweise tötet die Pilze ab, aber Achtung: Aufgrund der Feuergefahr sollten Sie nicht rauchen sowie bei und nach der Anwendung gut lüften. Das Tragen von Handschuhen sowie von Mund- und Augenschutz ist empfehlenswert.

Entfernen Sie die befallenen Tapeten und Teppiche und reinigen Sie anschließend die betroffenen Wand-/Fußbodenstellen gründlich. Sind bereits größere Stellen befallen, dann sollten Sie professionelle Hilfe hinzuziehen. Gleiches gilt, wenn es in einem Raum muffig oder modrig riecht, Sie aber keine Ursache entdecken. Hier können mikrobiologische Untersuchungen durch fachkundige Laboratorien dabei helfen, einen verdeckten Schimmelpilzbefall zu finden.

Ein – noch wenig bekanntes – Risiko können Korkböden und –tapeten bergen. Wurde der Kork nämlich auf dem Herstellungsweg vom Korkbaum zum Belag zu feucht gelagert, ist es möglich, dass sich darin Schimmelpilze ansiedeln konnten. Sie werden zwar bei der Produktion abgetötet, dennoch können die Sporen Erkrankungen beim Menschen hervorrufen. Achten Sie daher beim Kauf auf hochwertige Ware.
   
Eine noch relativ junge Erscheinung sind die so genannten „Schwarzen Wohnungen“, die man auch als „Fogging-Phänomen“ oder „Magic Dust“ bezeichnet. Beobachten kann man sie seit Mitte der 1990er Jahre beim Erstbezug oder nach Renovierungsarbeiten. Sichtbar wird das Phänomen – insbesondere während der Heizperiode – durch schwarze schmierige Beläge an Wänden und Decken. Exakte Kenntnisse über die Ursachen gibt es noch nicht. Untersuchungen des Umweltbundesamtes ergaben, dass sie durch das Zuspiel verschiedener Faktoren entstehen können.

Zu den Auslösern zählen vermutlich schwer flüchtige organische Verbindungen, so genannte SVOC, englisch für Semi-Volatile Organic Compounds. Sie entweichen langsam, aber über einen längeren Zeitraum in die Raumluft. Dies betrifft beispielsweise Weichmacher aus Farben, Lacken, Bodenbelägen, Fußbodenklebern und Vinylschaumtapeten sowie anderen Kunststoffen. Aber auch Reinigungs- und Pflegemittel, wie beispielsweise Möbelpolituren, können schwer flüchtige organische Verbindungen enthalten. Die SVOC lagern sich an Schwebstaubpartikeln in der Raumluft ab und „verkleben“ die kleineren Teilchen zu größeren. Diese wiederum werden von der natürlichen Luftströmung im Raum erfasst und setzen sich als schwarze schmierige Beläge ab.

Beim Fogging-Phänomen handelt es sich in erster Linie um ein ästhetisches Problem, eine Gefährdung der Gesundheit besteht nach derzeitigem Kenntnisstand nicht. Dennoch erscheint es ratsam, die schwarzen Flecke (intensive Nassreinigung mit Spülmittel) und wenn möglich auch die befallene Tapete zu entfernen. Vor einer Renovierung sollten Sie auf jeden Fall versuchen, herauszufinden, welche Faktoren die Bildung des Fogging-Phänomens begünstigen, und diese beseitigen. Suchen Sie dabei nach einer geeigneten Firma, kann Ihnen eventuell das örtliche Gesundheits- oder Bauamt weiterhelfen.
   
Schimmelpilze und das Fogging-Phänomen zählen zu den häufigsten wohnhygienischen Beeinträchtigungen. Verhindern kann man sie, in dem man regelmäßig und ausreichend lüftet. Dem Fogging-Phänomen beugen Sie zusätzlich vor, wenn Sie beim Kauf der dafür notwendigen Produkte sowie beim Kauf neuer Möbel auf schadstoff- bzw. emissionsarme Produkte achten.

© Insignio (jh)
Foto (2): Energieagentur NRW

   
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